Ein Fachbeitag von Dipl.-Psych. Claudia E. Enkelmann
Warum Frauen oft wirklich besser sind ... als sie selber glauben
Wir alle sind Lebensmanager, müssen jeden Tag unser eigenes Leben
planen und unzählige Herausforderungen annehmen. Managen zu
können ist eine Fähigkeit, die einiges voraussetzt, denn es bedeutet,
alles zu sehen, abzuwägen, kreativ zu sein, Ideen zu haben und die
Entscheidungen aktiv umzusetzen, und nicht zuletzt auch Menschen
zu motivieren, uns dabei zu helfen. Es bedeutet organisieren zu können,
mehrere Dinge parallel zu bewältigen - das sind alles Dinge, die wir
Frauen spielend meistern, bei denen wir sogar zur Höchstleistung auflaufen.
Ist Ihnen etwas aufgefallen? Ich spreche kaum von Problemen,
sondern viel lieber von Herausforderungen. Für mich sind Probleme
etwas, das zum Leben gehört wie Atmen, Essen, Schlafen. Probleme sind
zum Lösen da, an ihnen kann ich wachsen, mich entwickeln, Dinge
ausprobieren, etwas Neues lernen, und neue Ideen haben. Diese
Sichtweise ist typisch für uns Frauen! Und mit dieser Sichtweise lehnen
sie eines ganz entschieden ab: die Opferrolle. Wer Probleme als
unverrückbare Tatsachen betrachtet, sich keine Gedanken über deren
Lösung macht, „weil es ja sowieso nicht zu ändern ist", der wird im Leben
nicht weit kommen. Die Opferrolle einzunehmen und Erfolg zu haben,
diese beiden Dinge schließen sich gegenseitig aus. Ideen zu entwickeln,
sich auf Neues einzulassen, Dinge auszuprobieren, etwas zu wagen, zu
riskieren, das ist die bessere Strategie!
Doch auch kreative Prozesse und deren Umsetzung brauchen ein wenig
Struktur. Damit wir alles im Griff behalten, ist ein Konzept sinnvoll und dazu gehört:
das Problem wahrzunehmen
das Problem zu benennen
Alternativen und Visionen zu entwickeln
Annahmen zu tätigen und diese zu überprüfen
Lösungsalternativen zu entwickeln
sich für eine Lösung zu entscheiden
die Lösung umzusetzen
den Erfolg zu überprüfen
Das klingt jetzt sehr trocken und fast zu systematisch, ist es aber nicht!
Es ist die Zusammenfassung dessen, was einen Problemlösungsprozess
ausmacht, ganz egal, ob Sie tagelang darüber nachdenken oder nur ein
paar Sekunden brauchen, um die Lage zu checken und eine Strategie zu entwickeln.
Frauen haben einen ganz wichtigen Vorteil. Wir gehen ganzheitlich an die
Sache heran und können sämtliche Konsequenzen einer Entscheidung
vorab wahrnehmen. Eine gute Problemlösung ist immer langfristig
ausgerichtet. Und das ist zum Beispiel für das Überleben vieler
Unternehmen im globalen Wettkampf immer wichtiger. Dass sie
wegkommen vom Quartalsdenken, das gelenkt ist von den Interessen
der „Shareholder", der Aktieneigner. Dass sie zu langfristigen Visionen
und Planungen finden, die sich nicht an schnellen (Pseudo-)Erfolgen
orientieren, sondern am langsamen Wachstum zum Wohl der Mitarbeiter,
der Kunden und der Gesellschaft. Die Wirtschaft konzentriert sich bis
heute noch zu sehr auf die schnelle Beute, die weiblich orientierte
Wirtschaft denkt in größeren Zusammenhängen, ressourcenschonend und
nicht minder orientiert an Wachstum. Aber eben an gesundem Wachstum.
Prozesse kompetent anpassen
Wachstum ist dann gesund, wenn es sich an den Bedürfnissen der
Menschen orientiert. Und an deren Tempo. Wenn die Prozesse nicht nur
auf dem Papier festgelegt und dann stur abgearbeitet werden, sondern
wenn es möglich ist, einzugreifen, zu verändern, anzupassen, Neues zu
berücksichtigen und auch intuitiven Entscheidungen ihren Platz zu geben.
Die Fähigkeit, diese Anforderungen zu erkennen und Lösungen zu finden,
die eine ganzheitliche Sichtweise darstellen und dann mit Erfolg
umzusetzen, zu implementieren, das ist „Prozesskompetenz" - eine
Fähigkeit, die wir Frauen, wie so vieles andere in uns tragen, ohne uns
dessen wirklich bewusst zu sein.
Prozesskompetenz ist die Fähigkeit, Pläne und Abläufe an die Umstände
und Situationen anzupassen und die Komplexität nicht zu verdrängen,
sondern zu meistern. Das gelingt uns Frauen deshalb so gut, weil wir
alles sehen, offen sind für Neues und keine Angst vor Veränderungen
haben, weil wir kreativ sind und es lieben, Ideen zu entwickeln.
Prozesskompetenz heißt auch, nicht stur an einmal gefassten Plänen
festzuhalten, sondern diese anzupassen, wenn die Lage sich geändert
hat. Mutig an die Dinge heranzugehen, ohne in Größenwahn zu verfallen.
Und natürlich auch: der Intuition zu vertrauen, dem Bauchgefühl. Auf die
innere Stimme zu hören, die Dinge auch noch mal zu überschlafen, wenn
wir uns unserer Entscheidungen nicht ganz sicher sind. Der Mann mit den
Kindern ein paar Tage allein zu Haus? Für viele Frauen nach wie vor eine
Horrorvorstellung, denn sie wissen, was passiert: Es gibt jeden Abend
Pizza, die Kids werden nicht rechtzeitig von der Schule abgeholt, die
Katze bekommt zu viel, zu wenig oder gar kein Futter und Geschirr,
Wäsche und Rechnungen bleiben liegen. Auch in Zeiten der
unkomplizierten digitalen und mobilen Kommunikation darf die
Chefsekretärin nicht unerwartet ausfallen, denn sonst wird es
unweigerlich chaotisch: Der Chef verliert den Überblick über seine
Termine, verlegt wichtige Unterlagen, vergisst seinen eigenen Hoch
zeitstag und kommt nicht an seine Mails, weil er das Passwort nicht mehr
weiß. Auch diese Dinge - keineswegs überzeichnet - bekomme ich in
meinen Gesprächen mit Frauen ständig zu hören. Männer können (sich)
nicht organisieren, ohne die Hilfe von uns Frauen sind sie nur halb so
produktiv, können Mögliches nicht von Unmöglichem unterscheiden und
sind plötzlich völlig hilflos.
„Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau" - „Hinter jedem Mann
steht eine erfolgreiche Managerin" sollte es in leichter Abwandlung lauten!
Frauen sind die geborenen Managerinnen, ihr Leben lang tun sie nichts
anderes. Sie leiten und führen, organisieren und koordinieren, sie haben
die Augen und Ohren überall, behalten den Überblick, entscheiden,
improvisieren und sorgen dafür, dass es allen gut geht, dass sich alle
wohlfühlen, dass alle vorankommen.
Doch viele Frauen wissen gar nicht, dass das, was sie da tagtäglich
leisten, „managen" ist. Das Führen des Haushalts, die Bewältigung eines
Halbtags- oder Ganztagsjobs, Weiterbildung, soziale Kontakte - alles das
unter einen Hut zu bringen, fällt Frauen nicht immer leicht, aber sie
schaffen es, und sie tun es immer professioneller, indem sie sich die
Unterstützung Dritter sichern. Die Organisation des Alltags wird mehr
und mehr mit Hilfe von Netzwerken und dem „Zukauf" professioneller
Dienstleistungen vorgenommen. Frauen engagieren Tagesmutter und
Putzhilfen, holen sich Au-pairs ins Haus, die ihnen die täglichen Routine
-Belastungen abnehmen, und bestellen die wöchentlichen
Lebensmittellieferungen online, anstatt den halben Samstag im
Supermarkt zu vergeuden.
Es ist sehr wichtig, dass wir Frauen unsere Management-Fähigkeit endlich
als solche wahrnehmen und uns aus dem Hintergrund nach vorne
bewegen, dort, wo wir die Verantwortung, die wir ohnehin tragen, auch
offen zeigen. Sei es als Mitarbeiterin in einem Unternehmen oder als
Frau, die sich selbständig macht und ihre berufliche Existenz in einem Ein
-Frau-Unternehmen findet - das vielleicht rasch wächst, weil wir mit
unserem Angebot erfolgreich sind.
Frauen führen anders
„Die grundlegende Aufgabe von Führungskräften besteht darin, in den
Menschen, die sie führen, positive Gefühle zu wecken. Das geschieht,
wenn Führungskräfte Resonanz erzeugen - ein Reservoir an positiven
Gefühlen, das das Beste in den Menschen hervorbringt. Die wichtigste
Aufgabe einer Führungskraft liegt nach unserer Meinung demnach im
Bereich der Emotionen." Mit diesen Worten leitet Daniel Goleman sein
Buch „Emotionale Führung" ein, das sich in Fortführung des
Themas „Emotionale Intelligenz" der Umsetzung derselben im
Management, in der Führung von Teams, von Organisationen, von
Unternehmen widmet.
Die Komplexität des Alltags, die Überflutung mit Informationen, die
Anhäufung von unstrukturiertem, verteiltem Wissen in den Unternehmen,
eine durch technische Entwicklungen unglaublich forcierte Beschleunigung
von Prozessen - für die männlich orientierte Wirtschaft eine kaum zu
bewältigende Herausforderung.
Konzentration auf das Wesentliche in der täglichen Jagd nach der Beute?
Allein die Entscheidung, was denn das Wesentliche nun sei, kann
aufgrund der Fülle von Informationen nur schwer getroffen werden. Das
Ergebnis: Fehlentscheidungen am laufenden Band, rein orientiert an den
Kategorien der „Jäger in der Savanne". Da werden Milliarden in die
unsichere Zukunft von Telekom-Technologien investiert (Stichwort UMTS
-Lizenzen), um nur ja den „Feinden" das Wasser abzugraben. Firmen
werden fusioniert, mit dem Ziel, die Marktmacht zu bündeln. Die
wirtschaftliche und militärische Rüstung schreitet unaufhaltsam voran.
Gerade in einer so komplexen, so vernetzten, globalisierten Welt sind wir
manchmal gezwungen, die Sicht der Dinge zu vereinfachen, um nicht in
der Flut der Details zu ertrinken. Doch umso wichtiger ist es, das richtige
Maß zu finden und langfristig zu entscheiden. Die Folgen zu vieler
kurzsichtigen Fehlentscheidungen in der Wirtschaft führen nicht selten zu
Massenentlassungen - gerade in der High-Tech-Branche und in der
Finanzwelt. In guten Zeiten werden Menschen scharenweise eingestellt
und in schlechten entlassen. Doch die Wirtschaft war schon immer von
guten und schlechten Zeiten geprägt, und man sollte meinen, die
Verantwortlichen waren auf die Wellenbewegung vorbereitet. Das
Paradoxe daran ist aber nun, dass mit dem nächsten wirtschaftlichen
Aufschwung dieselben Unternehmen wieder händeringend nach
Mitarbeitern suchen und in den Medien laut klagen, dass diese nicht zu
finden seien.
Frauen geht es darum, Potenziale zu orten und zu entwickeln, die Kräfte in
Teams zu bündeln, zum Wohl der Sache und der damit befassten
Menschen. „Weibliche" Prinzipien der Führung werden mehr und mehr als
wertvoll wahrgenommen und viele Unternehmen erkennen bereits, dass
sie sich etwas Gutes tun, wenn sie mehr Frauen in ihre Führungsriegen
aufnehmen, die die Menschen in den Mittelpunkt stellen. Ja, dass das
vielleicht die einzige Möglichkeit ist, zu überleben.
In zahlreichen Studien wird die Existenz und Bedeutung der weiblichen
Führungsqualitäten untersucht. Eine der interessantesten Untersuchungen
dazu wurde von der Münchner Unternehmensberatung „System und
Kommunikation" vorgelegt:
Frauen stellen die Aufgabe in den Mittelpunkt - Männer die Rolle, die Position
Für Männer bedeutet die Übernahme einer Führungsrolle meist einen
Bruch in der Berufsbiographie, der Wechsel ins Management bringt oft
eine völlig neue Orientierung mit sich, quasi einen neuen Job mit neuen
Inhalten und Aufgaben. Frauen dagegen sehen Führung unter ganz
anderen Aspekten: Für sie geht es darum, eine Aufgabe möglichst
optimal zu erfüllen. Führung hängt immer stark mit den jeweiligen
Aufgaben zusammen, ist somit eine Funktion der Aufgabe. Führung ist für
Frauen keine „Rolle", die sie erfüllen können, ganz egal, welche Inhalte
damit verbunden sind. Während Männer durchaus von einem
Vorstandsposten zum nächsten „hoppen", von Branche zu Branche,
bleiben Frauen bei ihren Aufgaben und Inhalten und bauen darauf auf. Im
Team, mit ihren Mitarbeitern, ausgerichtet auf die
Entwicklungsmöglichkeiten des Einzelnen und auf die Sache.
Frauen gestalten ihre Karriere nach Aufgaben - Männer orientieren sich an Aufstiegschancen
Für Frauen zählt, ob eine Aufgabe interessant, spannend und sinnvoll ist,
für Männer ist wichtig, an welcher Stelle der Hierarchie sie sich befinden.
Sie fragt sich „was muss getan werden?", er fragt sich „was bringt mir
das?". Ausharren in einem uninteressanten aber gutbezahlten Job ist
Sache der Frauen nicht, Männer neigen viel mehr zum Aussitzen von
Problemen, wenn damit ein Aufstieg auf der Karriereleiter verbunden ist.
Frauen möchten eine inhaltlich sinnvolle Arbeit tun, qualitativ etwas
erreichen; Männer orientieren sich an Quantitäten und sehen ihre
Führungsrolle stark eingebunden in ein Belohnungssystem, wo nach
vorne kommt, wer etwas gut gemacht hat. Männer haben daher
naturgemäß ein Problem mit flachen Hierarchien, es fehlen ihnen die
Anhaltspunkte, wo sie denn nun stehen, wohin sie noch aufsteigen
können. Frauen begrüßen flache Hierarchien, weil ihnen die Aufgabe
wichtiger ist als die Position.
Frauen stehen mittendrin - Männer stehen oben
In Unternehmen, die nach dem Prinzip der Pyramide organisiert sind,
stehen Frauen selten ganz oben an der Spitze. Im Gegensatz zu den
Männern, die alles darauf hinorientieren, so weit wie möglich
aufzusteigen, organisieren Frauen sich eher in Teams, in der Mitte,
kreisförmig unter Einbeziehung vieler, die miteinander arbeiten. Und
nicht nur das, sie suchen gezielt das Gespräch auf allen Hierarchie
ebenen, während Männer gerne unter sich bleiben, also den Austausch auf
der gleichen Ebene bevorzugen. Dieser weibliche Weg fördert die echte
Kommunikation in Projektbesprechungen im Gegensatz zum
Mechanismus von Anordnen und Berichten, wie es in der klassischen
Struktur praktiziert wird.
Frauen planen nicht, sie gestalten Prozesse.
Wandel und Entwicklung wird von männlich geprägten Strukturen eher als
Bedrohung und als Unsicherheitsfaktor empfunden. An einmal gefassten
Plänen wird festgehalten, auch wenn sich die Umfeldbedingungen
geändert haben und eine Neuorientierung dringend nötig wäre. Frauen
hingegen passen sich ständig an Kunden- und Marktbedürfnisse an. Sie
denken und agieren prozessorientiert, evolutionär und sind extrem
flexibel, sich an neue Anforderungen anzupassen - ohne jedoch die
ursprünglichen Ziele und Prinzipien aus den Augen zu verlieren.
All diese Verhaltensweisen und Eigenschaften können Männer verunsichern,
können ihnen sogar Angst machen. Daran besteht kein Zweifel. Sie
können einfach vieles von dem, was wir tun oder wie wir an die Dinge
herangehen, nicht verstehen, weil sie einen völlig anderen Blickwinkel
haben. Das zu wissen, ist für uns Frauen enorm wichtig, denn nur dann
können wir in den Unternehmen mit Vorgesetzten und Mitarbeitern, aber
auch als Selbstständige mit unseren männlichen Kunden und nicht zuletzt
zu Hause mit unserem Lebenspartner, mit unseren Söhnen und Vätern
umgehen - können wir managen.
Weitere Informationen, erhalten Sie beim Enkelmann-lnstitut, Claudia
E. Enkelmann, Altkönigstr. 38c, 61462 Königstein/Taunus,
Tel.: 06174/3980, Fax: 06174/24379, http://www.enkelmann.de ,
Email: info at enkelmann.de
* Claudia Enkelmann (Dipl.-Psych.) ist eine gefragte Beziehungs- und
Erfolgstrainerin aus Königstein/Taunus, studierte Psychologie und Sozio
logie in Deutschland und der der Stanford University, USA. Sie spezialisierte
sich auf die Probleme moderner Gesellschaften und hat von den
bekanntesten Beziehungspsychologen gelernt (Dr. John Gray, Dr.
Barbara de Angelis, Ellen Kreidmann).
Quelle:
MLM News