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 Fräulein Rottenmeier



Alter: 43
Anmeldungsdatum: 11.10.2005
Beiträge: 2151
Wohnort: Dortmund

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BeitragVerfasst am: 23/6/2006, 23:38  Titel:  Maßkonfektion per Computer Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Der digitale Maßanzug
Damit Jacke und Hose passen, scannt ein Laser den Körper Dirk Asendorpf

// <function> // [ ZEIT-Grafik: Von der Vermessung bis zum Zuschnitt: Wie der elektronische Maßanzug entsteht ]

Ohne dass der Kunde es merkt, erfasst ein Scanner seine Körpermaße schon am Eingang des Modekaufhauses. Hat er sich an den Kleiderständern etwas ausgesucht, muss er es nicht mehr anprobieren. Er stellt sich einfach vor einen körpergroßen Flachbildschirm - und schon sieht er sein künstliches Abbild darin, bekleidet mit dem neuen Rock oder Anzug. Auf Knopfdruck zeigt der virtuelle Spiegel auch eine Ansicht von der Seite oder von hinten. Stoff, Schnitt, Ausstattung und Accessoires lassen sich fast beliebig verändern. Gefällt das Outfit, bestätigt der Kunde den Kauf per Knopfdruck. Geschneidert wird das Stück dann nach seinen individuellen Maßen. Kein Ärmel ist mehr zu eng und kein Hosenbein zu lang. Ein paar Tage später ist das maßgeschneiderte Kleidungsstück abholbereit.

Einige Jahre wird es noch dauern, bis virtuelles Einkleiden und industrielle Maßkonfektion zum Standardangebot von Modekaufhäusern und Boutiquen gehören. Die technischen Voraussetzungen aber sind bereits geschaffen - und auch schon im Einsatz. Zum Beispiel bei C & A in der Hamburger Mönckebergstraße. Nils Meinke empfängt Kaufwillige zwischen den Anzügen der Herrenabteilung und begleitet sie in einen abgetrennten Raum. "Wir erstellen jetzt Ihren digitalen Zwilling", verspricht der Verkäufer. Und das geht so: bis auf die Unterhose ausziehen, auf ein Podest stellen, Arme leicht abwinkeln und dann möglichst still stehen bleiben, bis der "Bodyscanner" seine Arbeit getan hat. Innerhalb von acht Sekunden tastet er den Körper an zwei Millionen Messpunkten mit Laserlicht ab. "Das war schon alles!", ruft Herr Meinke in die Kabine, "Sie können sich wieder anziehen."

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Auf seinem PC erscheint jetzt das dreidimensionale Abbild des Kunden. Der Bauchansatz, die leicht hängende rechte Schulter und das etwas kürzere linke Bein - nichts bleibt dem Scanner verborgen. "Das sieht nicht besonders vorteilhaft aus", sagt Nils Meinke, "dem Kunden zeigen wir deshalb nur ein paar Maße, nicht sein digitales Abbild." Nun darf der Vermessene unter 100 Stoffproben sein Wunschtuch finden, Hosen- und Taschenform, Bund und Knöpfe wählen. Aus diesen Angaben und den Messpunkten des Scanners berechnet der PC Größe, Schnitt und Preis des Anzugs. Anschließend sausen seine Daten elektronisch an den Hersteller. Dort wird auch der Zuschnitt vom Computer gesteuert, und so hat der Anzug später tatsächlich ein etwas längeres rechtes Bein und zum Ausgleich der hängenden Schulter einen leicht verkürzten Ärmel.

Bauchumfang im Speicher

Gut 500 solcher Maßanzüge hat Nils Meinke im ersten Jahr verkauft. "Zweitbestellungen sind besonders einfach", sagt er, "das lässt sich in fünf Minuten am Telefon abwickeln." Denn C & A speichert die Körperdaten seiner einmal vermessenen Kunden. Auch ein neuer Modetrend lässt sich so in passgenaue Kleidung umsetzen. Seine Klientel teilt Nils Meinke in zwei Kategorien ein: solche mit ungewöhnlichen Körpermaßen und solche mit einem Faible für das Exklusive bei kleinem Geldbeutel. "Die freuen sich jeden Tag darüber, dass der Anzug extra für sie geschneidert wurde." 360 Euro kosten die Maßanzüge bei C & A, die Firma Dolzer macht es sogar für die Hälfte. Denn Dolzer lässt die in Deutschland computergesteuert zugeschnittenen Stoffe für Billiglöhne in Tschechien zusammennähen.

Trotz solcher Dumpingpreise ist die industrielle Maßkonfektion noch ein Nischenangebot. "Das wird aber nicht mehr lange so bleiben", ist Nils Meinke überzeugt. Individuelle Produkte lägen überall im Trend.

Konkurrenz um Schrittlänge

So sieht das auch der Verband der europäischen Textilindustrie. "Maßfertigung ist ein langfristiger Trend", sagt Euratex-Forschungsleiter Lutz Walter, "und die nötige Technik entwickelt sich rasend schnell." Das Forschungsprojekt E-Tailor befindet sich in der Schlussphase. Der Scanner bei C & A in Hamburg ist ein Teil davon. 3,5 Millionen Euro hat die Europäische Kommission für E-Tailor bewilligt, denn der Zug zur Maßkonfektion stärke die Wettbewerbsposition der europäischen Textilindustrie gegenüber der Billigkonkurrenz in Fernost. "Alle Erfahrung zeigt, dass schnelle individualisierte Produktion nur nah am Markt erfolgen kann", sagt Lutz Walter. Und hofft, dass Europa so einen Teil der Textilimporte von 70 Milliarden Euro im Jahr zurückerobern kann.

Und was passiert mit den Modekaufhäusern, wenn erst mal jeder seine Maße im Geldbeutel herumträgt und exakt passende Kleidung im Internet ordern kann? Nils Meinke von C & A macht sich darüber keine Sorgen. "Der Kunde möchte den Stoff anfassen", sagt er. Und seine Erfahrung mit dem Bodyscanner hat auch gezeigt, dass die Elektronik ganz ohne menschliches Zutun doch nicht zuverlässig funktioniert. "Bei Übergrößen haben wir immer Rückfragen vom Hersteller." Und dann gibt es auch Kunden, denen exakt sitzende Kleidung gar nicht gefällt. "Mancher hat es lieber enger, mancher lieber weiter", sagt Meinke. Und deshalb lässt er trotz Bodyscan alle Kunden auch noch einen Anzug in der vom Computer errechneten Idealgröße anprobieren. Weicht dann der Kundengeschmack vom Rechenergebnis ab, kann er die elektronisch exakt erfassten Schnittmaße per Hand wieder ändern.

quelle: www.zeit.de
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 Dirk Hering

Networker


Alter: 29
Anmeldungsdatum: 14.09.2004
Beiträge: 2866
Wohnort: Gelsenkirchen

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BeitragVerfasst am: 26/6/2006, 18:53  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

was es alles gibt...
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 hemmerling



Alter: 46
Anmeldungsdatum: 16.12.2004
Beiträge: 1847
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BeitragVerfasst am: 11/8/2006, 10:54  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

aus Vertriebssicht:

Warum soll der Kunde es nicht merken, daß er vermessen wird ?
Schliesslich sind es "seine" Daten, und dank Datenschutz hätte er ein Recht zu erfahren, dass ihm jemand PERSÖNLICHE Daten abknöpft.

Zum zweiten:
Wenn das schon so ein toller teurer Scanner ist ( in den Anfangsjahren),
dann sollte man es als etwas besonderes herausstellen,
und dem Kunden das Scannen als "Erlebnis" vermitteln.

Ansonsten: Das war schon vor 10+ Jahren eine Utopie, vielleicht wird sie ja mal Wirklichkeit:

Individuelle Produkte, aber industriell hergefertigt ( wie einst die Vobis-PCs als sehr-frühe individuelle Computer-auf-Bestellung ).

Grüße
Rolf
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 maurifashion




Anmeldungsdatum: 02.02.2006
Beiträge: 254
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BeitragVerfasst am: 11/8/2006, 11:25  Titel:  oh Hemmerling Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Das ist keine Utopie, das Ding (die Kabine) funktioniert tatsächlich so. Mann Hemmerling, natürlich weiss der Kunde, dass er vermessen wird, und dass seine Daten gespeichert werden - der Kunde (Mann) will das.

Das Konzept ist absolut super und erfolgreich. In dieser Beziehung, mit so einem Service, haben bisher viele im Einzelhandel den Anschluß verpaßt. Diese Methode setzt sich 100%, zumindest in Kaufhäusern durch. Für uns "Maßworker" wird es im Laufe der Jahre sicher zur Konkurrenz.

Nachteil: Der Kunde muß deswegen trotzdem in die Stadt fahren und sich vermessen lassen. Also genau das, wass er jetzt auch beim Maßschneider tun muß.

Vorteil: Durch die "Massenfertigung" wird das Maßprodukt im Einzelhandel günstiger.

Vorteil von uns "Maßworker": Wir sind nicht teurer, gehen aber zum Kunden ins Büro oder nach Hause - auch am Wochenende. Dann, wenn unsere Kunden Zeit haben.

Mit schwäbsichem Gruß
Alex
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 Maik



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BeitragVerfasst am: 16/9/2006, 10:59  Titel:  Toller Beitrag Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Hallo Fräulein Rottenmeier,

das ist ein sehr interessanter Beitrag.

Ich habe darüber mal eine Dokumentation im TV gesehen.

Da hatte man auch einen Laser Scanner vorgestellt... die Ergebnisse waren jedoch noch nicht so überzeugend, wie wenn man per Maßband vermisst.

Dennoch glaube ich auch das Maßkonfektion absolut im Trend liegt.

Inzwischen gibt es ja die verschiedensten Möglichkeiten um preiswert in den Genuss von sehr individueller Maßkleidung zu kommen.

Eine super Sache für den Endverbraucher die hier und da noch etwas krankt, aber sich letztendlich durchsetzen wird.

Spätsommerliche Grüße aus dem Spreewald,
Maik
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Manuela Stengel
  
 hemmerling



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BeitragVerfasst am: 16/9/2006, 11:14  Titel:  Re: oh Hemmerling Antworten mit ZitatNach untenNach oben

maurifashion hat folgendes geschrieben:
Das ist keine Utopie, das Ding (die Kabine) funktioniert tatsächlich so. Mann Hemmerling, natürlich weiss der Kunde, dass er vermessen wird, und dass seine Daten gespeichert werden - der Kunde (Mann) will das.


Alex, da stand aber

"Ohne dass der Kunde es merkt, erfasst ein Scanner seine Körpermaße schon am Eingang des Modekaufhauses."

und der HANDEL mit solchen Daten könnte sehr erträglich sein,
gegen den Willen und ohne Wissen des Kunden,

ein Kundenprofil wie das die von Payback oder AmericanExpress ergänzt.
Der gläserne Kunde, ganz bestimmt wird ER keine Vorteile davon haben, sondern nur die "Unternehmen" die ihn manipulieren.

Glaubst Du ernsthaft, daß eine Firma so einen teuren Scan löscht, nachdem der Kunde den Laden verlassen hat ? Sad.

Grüße
Rolf
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 maurifashion




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BeitragVerfasst am: 16/9/2006, 11:30  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Er merkt es nicht, weil es nicht weh tut Very Happy wenn ihn der Scanstrahl trifft, aber selbstverständlich gibt der Kunde sein Einverständnis - er geht ja auch freiwillig in die Kabine Cool

Überlegung: Wenn auch bisher noch Utopie, aber wäre doch super. Kunde oder Kundin betritt das Kaufhaus, die Maße werden gescannt und die Kunden erhalten mitgeteilt, welche optimalen Produkte, Textilien sie von der Größe her kaufen können, damit alles optimal passt. Z.B. 90c

Toll, sollte man vielleicht weiterverfolgen/entwickeln.

Gruß
Alex
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 hemmerling



Alter: 46
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Beiträge: 1847
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BeitragVerfasst am: 16/9/2006, 12:06  Titel:   Antworten mit ZitatNach untenNach oben

maurifashion hat folgendes geschrieben:
Er merkt es nicht, weil es nicht weh tut Very Happy wenn ihn der Scanstrahl trifft, aber selbstverständlich gibt der Kunde sein Einverständnis - er geht ja auch freiwillig in die Kabine Cool


[x] Du hast kein Verständnis für Privacy / Datenschutz

denn dem Kunde wird es ja wohl schwergemacht werden NEIN zu sagen,
denken wir an die "leeren" oder per default "angekreutzten" Kästchen in Online-Formularen, ob die Firma die Daten weiterverwenden darf...

oder aber sobald sich das System etabliert hat, kann man Hosen nur noch so kaufen, indem man "freiwillig" die Daten dem Unternehmen zur Nutzung überlässt.

Genauso "freiwillig" wie heutzutage in MLM-Partner "selbstständig" gegenüber seinem MLM-Mutterhaus seine Position durchsetzen kann....

Grüße
Rolf
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